Archiv für Juli 2009
014
(Notizen von auf dem Weg zur bedingungslosen Liebe) Wer weiß wie man das überleben soll?
Die Wahrheit plagt den Kopf. Gestern festgestellt, dass ich doch nur an mich und im Grunde meines Herzens an nur die eigenen Vorteile denke. Der partnerschaftliche Geburtstag ist trotz Essengehen, Rudern und Stadtrad-City-Tour in ein die Psyche zersetzendes Abenddelta geflossen. Man habe sich mehr vorgestellt. Tränen auf beiden Seiten, wenn auch nicht im Überfluss aus den Augen heraustretend. Ich habe mir nicht wirklich Mühe gegeben. Hass & Liebe im ampellosen Kreisverkehr. Unfähigkeit Zugeständnisse im richtigen Zeitpunkt zu formulieren. Worte überfahren Gefühle. Unfähig die eigene Zunge ins Gespräch zu verwickeln. Reden in die eigene Kaugummiblase hinein. Verletzter Stolz, Barrikaden mit Wundöffnungen – derweil man sich hinter ihnen verschanzt, schmerzt jedes Wort das durch sie tritt. Ist es das was ich liebe, wonach ich mich sehne – Auseinandersetzung, Aufmerksamkeit, emotionale Intensität durch stetige Herbeiführung von Partnerschaftskatastrophen? Es gibt zu viele Möglichkeiten das was man gesagt bekommt, zu interpretieren ohne dabei in die Fehlerfalle zu tapsen. Für das was man macht, gilt das Gleiche. Außen Streit und innen drinnen ein psychotischer Selbstzerstörungstrieb, der das Herz im Salze röstet, der alles entzweit das sonst ein Ganzes ist. Zweifrontenkrieg. Man versteht sich selbst nicht mehr – nicht ein Wort, eine Geste, keinen Ton. Liebe klingt anders? Nein, auch so. Erst wenn alles zerredet ist, das frittierte Hühnerfleisch in Ernusssoße im Magen geparkt, das fade Alster getrunken und die Zigaretten geraucht, hält man wieder zusammen und findet von Essen und Kämpfen erschöpft, erneutes Mitgefühl. Arm in Arm liegend eine Brise Fernsehen auf die Netzhaut, surfen wir ab Mitternacht friedfertig durch den Sommerabend über die Fernsehtastatur. Wieso immer Anker werfen, wo weitermachen, -denken oder -leben oder einfach genießen, drauf scheißen viel sinnvoller, viel nachhaltiger wäre? Weniger lebensbedrohlich. Wieso Leben anhalten und Anschluss verlieren? Das einzig Schöne ist, dass Liebe bewegt. Wir scheinen einen Körper zu brauchen, um den Schmerz der Liebe empfinden zu können. Romantischer Rotz.
013
Zu viele Zigaretten passieren meine Lippen. Stetiger Rauch in meiner Lunge, noch vor Einbruch der Dunkelheit auch Rotwein. Genusssucht. Der Mann hat eine Affinität zu Feuer. Der Mann braucht Brennholz. Der Mann brennt vor Leidenschaft. Wenn er nur mit ihr auch umgehen könnte. Jetzt gerade wäscht er Wäsche. Stellt die Musik dabei laut. Noch etwas lauter. Den Kettenschmierefleck entfernt er mit Galseife. Er hofft, dass sie schnell trocknet, die Seife. Damit er sie nicht vergisst, die Seife. Sonst könnte sie jemand dafür nutzen um sich das Gesicht vom alltäglichen Schmutz zu befreien. Denn er wohnt in einer WG. Ständig fremde Leute am Waschbecken, auf der Toilette. Eine Putzfrau und eine Sekretärin sind sein Traum. Und ganz viel Sex.
012
Donnerstag. 9. Juli. Ort: Büro. Gestern auf HfbK-Jahresausstellung gewesen. Kunst scheint schön zu machen. Mehr hübsche Menschen als Kunstwerke gesehen. Vier Etagen, fünf Etagen, sind nur bis in die dritte gekommen, dann hat uns die Laune umkehren lassen. Genug ist irgendwann genug. Runter in die Tanzhalle, die tagsüber Mensa heißt. Alle Viertelstunde zu Michael Jackson das Glas geschwenkt, den Rotwein, das Bier, die Nil-Zigaretten von Robert, die Menthol-Zigaretten von Cornelius und die selbstgedrehten der Fremden. Der König ist tot. Brooke Shields, alte Kindheitsfreundin erinnert sich lieber an den kleinen Prinzen, wenn sie an MJ denkt. Zurück zur HfbK: Einige nicht wieder erkannt. Wurde quittiert mit rollenden Augen. Kleines Lungendesaster zu Beginn, Husten. Langsam kenne ich es. Wohl aus der Mitte geraten, der da in mir. Kein Wunder bei diesem Leben.
Schön war auch, zumindest gestern, seine Freunde kennenzulernen. Dustin, Robert. Dann ein Stefan. Wie auch immer der sich schreibt. Draußen schlechte Live-Performance. Ein Runter-Gelaber-von-modernen-Punk-Vokabeln während wir an dem unterbesetzten Getränketresen stehen und auf die Pfandgetränke warten. Vokabeln wie Twitter, Facebook … heruntergerappt. Rap konnte man das nicht nennen. Weiß auch nicht was das sollte. Oder warum das sein muss. Schon gar nicht, wieso dazu getanzt wurde. Das ist das Alter. Da trifft man Aussagen, motiviert durch die eigene soziale Engstirnighkeit. Mit zunehmendem Alkoholpegel wie immer, wurde der Abend lockerer, man selber und alle anderen verbundener, Erweiterung der Sozialvernetzung folgte auf den Schritt. Wir hatten uns lieb.
Tagsüber Projektsitzung. Mit G. im Cafe Johanna Konzept erörtert. Zielgruppen definiert. Zumindest versucht. Aufgabenfelder angerissen. Bedeutung der Projektmodule. Ich bin skeptisch ob der Zukunft des Projektes im Hinblick auf die konstruktive Zusammenarbeit. Nicht Angst sondern Argwohn begleitet mich.Zu viele Vorstellungen erscheinen mir in der Planungspahase wieder naiv. Ich will besser sein als das letzte Mal. Heute abend geht es weiter. Nächste Woche Mittwoch Telefonkonferenz mit potentiellem Geldgeber. Denke darüber nach, hier das Diplom anzusetzen.
Davor Büroarbeit. Dort wo ich jetzt auch sitze.